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Druckbedingte Schwachheit und Körpergewichts-Kontrolle

Die bestimmenden Elemente der Gewichtsverlagerung beeinträchtigen jede aktive Bewegung.
Wenn die Gewichtsverlagerung von einer statischen Position für ein Kind unmöglich ist, dann ist es offensichtlich, dass jeder Versuch einer aktiven Bewegung mit einem limitierten Ergebnis einhergeht.

Wie definieren wir Körpergewichts-Kontrolle?

Körpergewichts-Kontrolle wird definiert als die Möglichkeit das eigene Körpergewicht in jeder verschiedenen Position zu halten oder zu verlagern.
Grundlegende Gewichtsverlagerung ist für Menschen mit Druckbedingter Schwachheit eingeschränkt oder gar unmöglich.
Die grobmotorische Entwicklung des gesunden Kindes beginnt in der waagrechten Position - liegend am Rücken oder am Bauch - bis hin über die stehende Position zum Gehen.
Während dieser stufenweisen Entwicklung beginnt das Kind das eigene Gewicht zu stützen bzw. zu tragen.
Dabei benötigt das Kind am Anfang noch große Kontaktflächen, um sich zu stüzen, in weiterer Folge werden diese Fläche aber immer kleiner.

Es handelt sich dabei um ein kognitives Lernen und stellt auch das Ergebnis einer internen strukturellen Reifung dar.
Wir haben Zeichnungen von Dr. Emmi Picklers und Anna Tardos Buch „Lasst mir Zeit“ hinzugefügt, um diesen Prozess zu illustrieren.
Man kann sehen, dass sich der Kontakt mit dem Boden reduziert, wenn sich das Kind allmählich der stehenden Position nähert.

Hier sehen wir das Kind in der Rückenlage - großflächiger Kontakt mit der Oberfläche.

 

Zeichnungen: Klara Pap, Emmi Pikler Lasst mir Zeit, S.193

 

im Ellenbogenstütz auf der Seite

Zeichnungen: Klara Pap, Emmi Pikler Lasst mir Zeit, S.197

 

in Bauchlage mit Einhandunterstützung





Zeichnungen: Klara Pap, Emmi Pikler Lasst mir Zeit, S.200

 

Rollend

Zeichnungen:
Klara Pap

Emmi Pikler Lasst mir Zeit
S.196

 

 

 

Krabbelnd

Zeichnungen: Klara Pap, Emmi Pikler Lasst mir Zeit, S.211

 

Bärenstand

Zeichnungen: Klara Pap, Emmi Pikler Lasst mir Zeit, S.215

 

Stehend

Zeichnungen: Klara Pap, Emmi Pikler Lasst mir Zeit, S.216

 

Auf dem Foto unten sehen wir ein Kind, das sich noch in der rollenden Stufe befindet. Das Abheben von der Oberfläche ist sogar in dieser Position schon möglich.
Der Kontakt mit der Oberfläche des Bodens nimmt stetig ab und es entwickelt sich die Fähigkeit zur Umverteilung des eigenen Gewichtes.
Dabei handelt es sich um einen fortlaufenden dynamischen Prozess der einen bestimmten Höhepunkt erreicht wenn das Kind zu Gehen, zu Laufen oder zu Springen beginnt.

Foto: Marian Reismann
Tibi im Alter von 26 Wochen
Enstanden  im Pikler Institut, Budapest
Aus Emmi PIkler Lasst mir Zeit
Seite131

Auf den folgenden Fotos erkennt man, das gewichtsverlagernde Positionen im zunehmenden Maße von den internen Körperstrukturen übernommen werden und die Kontaktflächen immer kleiner werden.

Foto: Marian Reismann
Tibi im Alter von 30 Wochen
Enstanden  im Pikler Institut, Budapest
Aus Emmi PIkler Lasst mir Zeit
Seite 132

Foto: Marian Reismann
Tibi im Alter von 36 Wochen
Enstanden  im Pikler Institut, Budapest
Aus Emmi PIkler Lasst mir Zeit
Seite 133

above Foto: Marian Reismann
Tibi im Alter von 42 Wochen:
Enstanden  im Pikler Institut, Budapest
Aus Emmi PIkler Lasst mir Zeit S. 138
Right Foto: Marian Reismann
Tibi im Alter von 48 Wochen:
Enstanden  im Pikler Institut, Budapest
Aus Emmi PIkler Lasst mir Zeit, S. 139

 

Fortschreitende Verbesserungen der Bewegungsabläufe begleiten uns ein Leben lang und werden durch Erreichen neuer Ziele immer wieder neu definiert.

Kinder mit ausgeprägter Druckbezogener Schwäche haben gravierende Schwierigkeiten in allen Elementen der verschiedenen Stufen der Gewichtsverlagerung.

Interne Schwäche kann sogar die grundlegende Gewichtsverlagerung in der Bauchposition,

in der Seitposition und in der Sitzposition unmöglich machen,

oder große Herausforderungen in der knieenden Position verursachen.

 

Wenn das Kind nicht fähig ist eine statische Position zu halten werden weitere Entwicklungsschritte von einer Position zur nächsten durch eine dynamische Bewegung unterbunden.Was passiert wenn wir versuchen ein Kind mit Druckbezogener Schwäche in eine bestimmte Gewichtsverlagerungsposition zu bringen?

 Diese Frage kann mit den grundlegenden ABR-Prinzipien beantwortet werden.


Normalerweise versucht man beim Training von Kindern mit Beeinträchtigung des muskulären - skelettären Systems wiederholte Versuche der Gewichtsverlagerung zu erreichen.

  • seitliches Stehen

  • Stehen nach vorne gebeugt

  • Sitzen

  • den Kopf aufrecht halten

Besonders für die Level 3, 4, 5 -Kinder sind diese Versuche – unter Berücksichtigung aller außerordentlichen Bemühungen – oftmals von einer sehr kurzen Dauer geprägt.
Das Kind bleibt zwar für ein paar wenige Sekunden in der gewünschten Position, erliegt dann aber seiner internen Schwächen und kehrt wieder zu seinen alten Mustern zurück.

Was ist passiert?

Für eine gesunde Person stellen die meisten Gewichtsverlagerungsprozesse eine “muskelfreie“ Aktivität dar.
Anstatt unsere Muskeln für solche Aktivitäten wie Sitzen oder die Stützposition auf den Ellenbogen zu benutzen, verwenden wir die internen Strukturen des Bindegewebes für solche Aktionen. Die interne Zusammenarbeit der Membranen und Gewebe, die mit Flüssigkeiten und Gasen gefüllt sind, besitzen eine sehr große hydrostatische Kraft. Diese Kraft unterstützt uns in der Gewichtsverlagerung und schafft so einen Freiraum für unsere Muskeln für koordinierte, dynamische Bewegungen. Die Skelettmuskeln sind sehr anspruchsvolle Strukturen für unseren Körper. Sie sind hoch spezialisierte Gewebe, verbrennen sehr viel Energie und produzieren die gleiche Menge an Abfall.
Der Körper muss einen Weg finden sich von diesen Abfällen zu befreien. Nicht nur dass diese Muskeln schnell ermüden, sie verschlechtern auch ihre Qualität bei einer Überbeanspruchung.
Versuchen wir wiederholt ein Kind mit Druckbezogener Schwäche in solche Positionen zu bringen, zwingen wir die Muskeln zu einer Aktivität, für die sie nicht geschaffen sind.
Die Muskeln, die eigentlich für dynamische Bewegungen kreiert wurden können das Kind nur für kurze Zeit in einer bestimmten Position halten, danach ermüden sie und geben auf.
Bei weiteren Wiederholungen bestimmter Positionen verschlechtert sich die Qualität der bereits verkürzten Muskeln weiter, sie werden mehr und mehr wie Sehnen, das heißt die Spastik nimmt zu.
Daher versucht ABR die Druckbezogene Schwäche des Kindes zu überwinden und auf diesem Weg die notwendigen Vorraussetzungen für eine verbesserte Funktionalität einer Gewichtsverlagerung zu erreichen.
Eine Beschreibung, wie das funktionieren soll,  kann  im Rahmen der ABR Technik nachgelesen werden.